Der Landeswasserverbandstag Brandenburg e. V. (LWT) ist die Dachorganisation der öffentlich-rechtlichen Wasserwirtschaft und ihrer Unternehmen im Bundesland Brandenburg. Die Geschäftsstelle in Potsdam vertritt die Interessen der Mitglieder im Bereich der Siedlungswasserwirtschaft (Trink- und Abwasser) sowie des Gewässermanagements (Gewässerunterhaltung).

Interview zum 25-jährigen Jubiläum

Im November 1992 gründeten zehn Verbände der Wasserwirtschaft den Landeswasserverbandstag Brandenburg e. V. (LWT). Im Gespräch ziehen Präsidentin Martina Gregor-Ness und Geschäftsführer Turgut Pencereci
ein Resümee der vergangenen 25 Jahre.

Der LWT besteht nun ein Vierteljahrhundert, wie fällt Ihre Bilanz aus?

Turgut Pencereci: In den 25 Jahren seines Bestehens ist es dem Landeswasserverbandstag Brandenburg e.V. gelungen, sich zu einer festen Größe in der brandenburgischen, aber auch der bundesrepublikanischen Wasserwirtschaft zu entwickeln. Wir verzeichnen ständig steigende Mitgliederzahlen. So traten jüngst beispielsweise zwei große Wasserdienstleister bei – die OWA Falkensee und die LWG Cottbus. Ohne das ehrenamtliche Engagement der Mitgliedsvertreter wäre so etwas bei einer schlanken Verwaltung (ein Geschäftsführer, eine Geschäftsstellenmitarbeiterin) nicht möglich.

Martina Gregor-Ness: Die Interessenvereinigung ist gegenüber anderen Interessenvertretungen, vor allem aber auch gegenüber der Landesregierung und dem Landtag als wichtiger, ernstzunehmender Gesprächspartner bekannt. Wir bündeln die Stimmen unserer Mitglieder und bringen diese gezielt in die politische Debatte zu allen Fragen rund um die Wasser- und Abwasserwirtschaft, den Gewässer- und Bodenschutz, aber auch den allgemeinen Umweltschutz ein. So wirken wir bei Gesetzesvorhaben regelmäßig sehr intensiv mit. Wir freuen uns, als geachtete und gefragte Stimmen im Land Brandenburg wirken zu dürfen.

Was konnte konkret erreicht werden, würden Sie bitte Beispiele nennen?

Martina Gregor-Ness: Viele unserer Leistungen werden nicht unbedingt öffentlichkeitswirksam, weil sie sich doch sehr innerhalb des Fachkreises der Wasserwirtschaft bewegen. Allerdings haben wir gerade auf Der LWT besteht nun ein Vierteljahrhundert, wie fällt Ihre Bilanz aus? Was konnte konkret erreicht werden, würden Sie bitte Beispiele nennen? dem Gebiet des Zweckverbandsrechts und des Brandenburgischen Wassergesetzes sehr viele unserer Vorstellungen in die jeweiligen Gesetzesvorschriften einbringen können.

Turgut Pencereci: Wir haben unsere Mitglieder weitergebildet, Fachexkursionen in die Niederlande, nach Belgien, nach England, nach Österreich und auch in deutsche Bundesländer gemacht. Wir pflegen über den Deutschen Bund der verbandlichen Wasserwirtschaft e.V. bundesweite und auch internationale Kontakte. Ich persönlich bin ständiger Gast des Fachkreises Wasserwirtschaft des Deutschen Städtetages. Mit der DWA verbindet uns eine vertraglich ausgestaltete Kooperationsgemeinschaft. Auch mit dem ZALF Müncheberg sind wir vertraglich verbunden. Die Fachkollegen des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) und des BDEW arbeiten intensiv mit uns zusammen. In letzter Zeit haben wir insbesondere mit dem Forum Natur für ein modifiziertes Wassergesetz zusammengearbeitet. Unsere parlamentarischen Abende sind gut besuchte Treffen, um den fachlichen und gesellschaftlichen Austausch zu pflegen.

Was war die größte Herausforderung?

Martina Gregor-Ness: Die gerade anstehenden Fachthemen sind immer die größte Herausforderung zu ihrer Zeit. Hervorheben möchte ich aber sowohl die ursprünglich unwirksame Gründung der Zweckverbände als auch der Gewässerunterhaltungsverbände, die jeweils durch von uns initiierte und entworfene Gesetze geheilt werden konnten. Seit einiger Zeit übersteigt sicherlich die sogenannte Altanschließerproblematik alles an Herausforderungen, was vorher dagewesen ist. Was war die größte Herausforderung?

Turgut Pencereci: Wir haben jedenfalls Licht in das Dunkel gebracht und versucht, die nicht von den Vertretern der Wasserwirtschaft verursachte Problematik mit allen Beteiligten zu lösen. Ein so juristisch hochkomplexes Thema hat es wohl nur selten gegeben. Wir konnten unsere Kontakte zur Politik nutzen, um existenzielle Gefahren für die Mitglieder abzuwenden, obschon die Mitglieder sehr unterschiedliche Wege bei der Lösung gehen und es noch immer viele ungelöste Fragen gibt. Das wirtschaftliche Hilfspaket geht massiv auf unsere Initiative zurück.

Was bringt die Zukunft für den LWT und seine Mitglieder?

Turgut Pencereci: Wir stehen vor großen Herausforderungen, die die Menschen aus unserem Land direkt betreffen und bewegen. Der demografische Wandel spielt dabei ebenso eine Rolle wie der Klimawandel, der sich gerade mit extremen Starkniederschlagsereignissen zeigt. Aber auch die künftige Behandlung des Klärschlamms, die Rückgewinnung von Phosphor, der Nitrateintrag in das Grundwasser durch die Landwirtschaft, der Umgang mit Mikroschadstoffen und Arzneimitteln im Abwasser und vieles mehr beschäftigt uns.

Martina Gregor-Ness: Sowohl auf dem Gebiet der Gewässerunterhaltung als auch auf dem Gebiet der Siedlungswasserwirtschaft stehen unsere Mitglieder also nach wie vor vor größten Herausforderungen, bei denen wir als Interessenvertretung einen engagierten Beitrag leisten möchten, um diese großen Zukunftsfragen im Interesse und im Konsens mit den Bürgern und Kunden, für die ja letztlich die gesamte Arbeit erbracht wird, zu leisten.